Interview aus der "Fränkischen Nacht, Bamberg":


Klänge aus dem Tresorraum
Das Unique Musique Tonstudio in der Hauptwachstraße
 
Mitten in der Bamberger Innenstadt wird richtig Lärm gemacht. In den frühen Morgenstunden, am Nachmittag oder zu nachtschlafender Zeit. Aber kein Nachbar beschwert sich. Das ist kaum verwunderlich, befindet sich das Unique Musique Tonstudio doch in den ehemaligen Tresorräumen der Deutschen Bank. Hier sind die Wände dick und die Türen noch dicker. Aus dem ausgebauten und schallisolierten Keller dringt kein Ton nach außen. Die perfekten Vorraussetzungen für Bands und Musiker, hier eine Platte aufzunehmen. Die FN machte sich ein Bild von dem Studio im Bamberger Untergrund und sprach mit dem Inhaber Alexander Dürr und dem Tontechniker Dietmar Foth.
 
Seit wann gibt es das Unique Musique Aufnahmestudio?
 
Alexander Dürr: Das Tonstudio gibt's seit ungefähr zwei Jahren. Ich habe hier vor etwa vier Jahren mit einem Verkaufsraum von CD-Spielern, Verstärkern, etc. begonnen. Die Räumlichkeiten waren aber im Grunde zu groß dafür. Letztendlich habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Hinzu kam noch Diddy, der ausgebildeter Tontechniker ist...
 
Dietmar Foth: Ich bin Diplom-Audio-Engineer und arbeite seit 12 Jahren fest beim Bayerischen Rundfunk. Vor eineinhalb Jahren war ich auf der Suche nach einem Studio in Bamberg, um mit verschiedenen Bands produzieren zu können. Damals bin ich auf Alex gestoßen.
 
Alex: Ohne Diddy hätte ich wahrscheinlich ein solch professionelles Tonstudio nicht aufziehen können. Ich hatte mich über Jahre hinweg mit High End beschäftigt und Diddy ist Profi in der Tontechnik - das hat sich perfekt ergänzt.
 
Diddy: Das Tonstudio ist noch im Werden. Hier steht noch viel analoge Technik, parallel zur Computertechnik: Eine große Bandmaschine zum Beispiel und richtig alte Hall-Platten, die analog funktionieren. Zur Zeit löten wir noch an einem Steckfeld, um digital am Rechner als auch herkömmlich mit analogen Signalen arbeiten zu können.
 
Alex: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, technisch auf einem Top-Stand zu sein!
 
Wo befinden wir uns hier?
 
Alex: Das sind die ehemaligen Tresorräume der Deutschen Bank. Vor 20 Jahren hat hier noch der letzte Goldklumpen gelagert. Wir haben beim Umbau sogar die Decke aufgeklopft - man weiß ja nie, was sich noch so findet...
 
Wie ist das Studio technisch ausgestattet?
 
Diddy: Die Mikrophone u.a. von der Firma Neumann sind die üblichen Verdächtigen im Tonstudio. Außerdem haben wir eine analoge 56-kanälige Konsole. Von dort aus geht's entweder ins Pro Tools Recording System oder Cubas-System auf dem aktuellen Softwarestand, die alle Bearbeitungsprogramme für Effekte und die Klangeinstellung enthalten. Oder parallel dazu, über das Steckfeld - das gerade noch in Arbeit ist - auch auf die analogen alten Bandmaschinen.
 
Alex: Die Lautsprecher sind auch etwas ganz Besonderes. Das Coaxial/Di-pol System von der Edelschmiede Trivox ist komplett in die Wand integriert. Die ist genau danach berechnet, dass man an den Reglern in einer schall-reflexionsfreien Zone sitzt. Demnächst werden wir noch Kameras im Aufnahmeraum installieren, damit man im Mischraum direkten Kontakt zu den Musikern hat. Denn hier Fenster einzubauen, wäre etwas schwierig...
 
Wie viel Aufwand bringt die Produktion einer CD mit sich?
 
Diddy: Das kommt auf die Band an. Ist eine Kapelle live gut eingespielt, funktioniert das in der Regel problemlos und schnell. Da braucht man wenig sogenannte Overdubs, wie beispielsweise eine zweite Stimme. Bei der letzten Volksmusik-Band haben wir für 20 Stücke zweieinhalb Tage zum Aufnehmen gebraucht. Dazu kommen noch zwei Tage für den Schnitt, um aus den Roh-Takes eine komplette Fassung zu bauen. Dann noch einmal etwa die gleiche Zeit zum Mischen. Bei einer Popmusik-Produktion arbeitet man anders - der Schnitt-Block fällt weg, weil alles einzeln eingespielt wird. Das lässt die Recording-Session länger werden und man schafft nur bis zu fünf Stücke am Tag. Dafür ist die Nachbearbeitung kürzer.
 
Ist die Aufnahme innerhalb der letzten Jahre mit der Verbesserung der technischen Möglichkeiten einfacher geworden?
 
Diddy: Das kann man so nicht sagen. Es ist zwar für den Laien einfacher geworden, sich relativ günstiges Equipment anzuschaffen und selbst zu produzieren. Alles, was es früher nur als Hardware gab, gibt es jetzt auch als Software für den Rechner. Aus diesem Grund sind unter dem Strich die Produktionen auf dem Markt schlechter geworden. Auch eine Zeiteinsparung bei der Aufnahme gibt es nicht, weil man heute Dinge tun kann, die früher nicht möglich waren - wie zum Beispiel die Korrektur von Intonation. Früher wäre ein Song, bei dem der Sänger leicht daneben liegt, einfach rausgefallen. Heute hat man die Möglichkeit, das zu korrigieren.
 
Welche Bands oder Musiker haben bereits hier im Studio aufgenommen?
 
Alex: Alex: Wir hatten die Bands Boxgalopp und Rohrfrei hier. Im Hip Hop Bereich arbeiten wir mit dem Bamberger Ray Joker sowie den Schweinfurtern Nico und Joe Young zusammen. Außerdem haben die spanische Punkrockband Señores Cabrones aus Bamberg und eine junge Gruppe namens Silent Hour im letzten Jahr bei uns aufgenommen.
 
Diddy: Ich arbeite gerade mit Sybille Friz zusammen, die eine Solo-CD mit Cello und Gesang aufnimmt.
 
Alex: Es kommen auch Mädels, die für ihren Freund zu Weihnachten eine CD einsingen möchten...
 
Wer war Euer ungewöhnlichster Kunde?
 
Alex: Ich hatte mal einen 50-jährigen Schlagersänger aus Dortmund mit blond gefärbten Haaren, der absolut nicht singen konnte. Er war allerdings der Meinung, dass er's kann. Da er sich nichts hat sagen lassen, war er ein ziemlich schwieriger Fall.
 
Diddy: Viele Leute kommen auch in dem Wissen, dass technisch vieles bis alles möglich ist und verlassen sich dann darauf.
 
Alex: Was natürlich nicht heißen soll, dass hier nicht Jeder willkommen ist! Demnächst wird auch mal ein Kindergarten zu uns kommen und ‚Alle meine Entchen' einsingen. Auch Hörbuchproduktionen und Werbejingles sind möglich.
 
Hättet Ihr einen Wunsch frei, welche Bands würdet Ihr gern ins Studio einladen?
 
Alex: Die Beastie Boys.
 
Diddy: Ich würde mal gerne wieder eine richtig professionelle Heavy Metal oder Hard Rock Band aufnehmen - irgendwas zwischen Aerosmith und Iron Maiden.
 
Ihr macht auch Webradio...
 
Alex: Als wir mit dem Tonstudio angefangen haben, kamen wir auf die Idee, Internetradio zu machen. Wir haben allerdings schnell gemerkt, dass informatives Radio mit Nachrichten und verschiedenen Playlists sehr aufwändig ist. Dafür bräuchte man eine richtige Redaktion und ein größeres finanzielles Budget. Wir hatten jedoch jedes zweite Wochenende DJs im Studio zu Gast, die in Bamberg gebucht waren. Vor dem eigentlichen Set im Club von 20 bis 22 Uhr wurde hier aufgelegt und wir haben live mit Bild und Ton im Internet übertragen. Zur Zeit ist unser Webradio wieder eingeschlafen, wir wollen aber gerne wieder live aus Clubs senden. In den nächsten zwei Wochen werden wir aber erst einmal ein Loop zusammenstellen mit allem, was wir in den letzten Jahren produziert haben. (Stefanie Schuhmann)